Nun ja- Joshka ist überhaupt kein Poitou-Esel, und doch - ohne sie wären die anderen auch nicht bei uns. Joshka lernte ich 1997 bei ihrem damaligen Besitzer David kennen, und es war Liebe auf den ersten Blick. Damals kam sie mir unglaublich gross vor, auch wenn sie heute mit ihren etwa 130 cm. Stockmass unser kleinster ausgewachsener Esel ist. Joshka hatte in der ersten Zeit unserer Bekanntschaft ihr Stutfohlen Jolina bei Fuss, das dann von Christa Müller (www.stallchrista.ch) gekauft wurde.
Mit Joshka durfte ich damals herrliche Ausritte erleben, und sie wuchs mir ans Herz. Als mich dann David eines Tages anrief und mir mitteilte, er wolle seine Esel verkaufen, drehte ich fast durch. Ich konnte sie damals unmöglich aufnehmen, suchten wir doch genau in dieser Zeit bereits einen Platz für zwei Lamas. Ich hätte schlicht und einfach nicht gewusst, wohin ich mit ihr gehen sollte. Als David sie dann irgendwohin in die Ostschweiz verkaufte, war ich mir sicher, die hübsche Apfelschimmelstute nie mehr zu sehen.
Weil Jolina dann zu Puck in die Asinerie zum Decken gebracht wurde und so Ovid, unser erster Esel zur Welt kam. Mussten wir eine neue Lösung für die Tiere suchen, und Joshka war unterdessen auch bei Christa gelandet. Als sie mich nun eines Tages anrief und meinte, wir könnten Joshka haben, wenn wir sie bald einmal abholen würden, war für mich der Fall klar, und Jürg war auch schnell mal überzeugt… So zog die Eselin bald darauf nach Biglen auf den Weibel, wo damals unsere Esel eine vorläufige Unterkunft gefunden hatten.
Joshka ist jetzt seit etwas mehr als vier Jahren bei uns, und meine Begeisterung für sie ist eher noch grösser geworden. Zwar kann kein anderes Tier wegen dem Tierarzt oder dem Hufschmied ein grösseres Theater machen als sie, doch hat sie so viele schöne Seiten, dass man ihr das getrost verzeihen kann. Auch dass sie alles, was nach chemischer Medizin riecht, mit unglaublicher Vehemenz ablehnt, können wir in Kauf nehmen, dann versuchen wir es im Notfall mit natürlichen Mitteln.
Joshka kann auf den Spaziergängen bummeln, austesten, was der jeweilige Führer für Nerven hat und immer wieder zum Fressen anhalten, hat sie jedoch ein kleines Kind auf ihrem Rücken, wird sie plötzlich zum zuverlässigsten Tier, das man sich vorstellen kann. Sie geht dann ganz vorsichtig, es scheint ihr bewusst zu sein, dass sie eine wertvolle Last trägt. Überhaupt scheint sie Kinder zu mögen, so kommt sie auch im Auslauf schauen, wenn sie jungen Menschenbesuch hat. Bei Männern, die sie nicht kennt, ergreift sie dagegen lieber die Flucht.
Joshka ist unglaublich verschmust, wenn sie das Vertrauen zu einem mal aufgebaut hat. So will sie kaum jemals ohne ihre Streicheleinheiten, die sie unterdessen richtiggehend fordern kommt, auf die Weide gehen. Auch beim Ausmisten am Morgen ist es wichtig, dass sie genügend Beachtung kriegt. Kommen dann beim Knuddeln andere Esel in die Nähe, kann unsere alte Dame richtig wütend werden.
Dass ich mit Joshka Leben darf, ist für mich ein unglaublich wertvolles Geschenk. Sie verkörpert für mich die Seele des Esels schlechthin.